Die Fasnacht – also die Zeit vor der Fastenzeit – ist voll im Gange. In und um Innsbruck gibt es bis Aschermittwoch eine Fasnachtsveranstaltung nach der anderen. Das Muller- und Matschgerwesen in den Dörfern rund um Innsbruck ist sehr ausgeprägt. Vor allem die MARTHA Dörfer (Mühlau, Arzl, Rum, Thauer, Absam) sind als Hochburgen der Fasnacht zu erwähnen, aber auch die Innsbrucker Stadtteile Hötting und Igls. Auch die Umlandgemeinden im Westen wie Völs, Kematen, Zirl, Inzing, usw. sowie in den Mittelgebirgsgemeinden hat die Fasnacht in den letzten Jahren einen regen Zulauf erfahren. Man könnte fast sagen, dass die Fasnacht im urbanen Umfeld Innsbrucks eine Art Wiedergeburt – eine Renaissance erlebt!

Die Figuren wie Spiegeltuxer, Melcher und Weißer stehen symbolhaft für die aufbrechende neue Zeit, also den Frühling und den Sommer. Wohingegen die Zottler, Zaggler, Klötzler und Hexen als Vertreter des Herbstes und Winters gelten. Mit vorgeschriebenen Schritten, Tänzen und Figuren performen die Fasnachtler die saisonalen Übergänge der Jahreszeiten. Ein Schlag von den Mullern und Matschgern auf die Schulter soll dem „Abgemullten“ Glück und Fruchtbarkeit bringen.

Selbst Mutter von einem begeisterten siebenjährigen Fasnachtler, fragt man sich, wieso sich die Jugend einer vermeintlich „alten“ Tradition im neuen Gewand so aufgeschlossen und hingebungsvoll widmet. Weswegen treten viele junge Menschen einem Brauchtums- oder Traditionsverein bei? Worin liegt die Faszination? Eines vorweg: Eindeutige Antworten dazu gibt es wohl nicht. Doch als studierte europäische Ethnologin ist der große Zuspruch an der Fasnacht ein interessantes Phänomen. Gab es noch vor einigen Jahren beim Wort Brauchtum und Fasnacht ein Nasenrümpfen oder sogar eine ablehnende Bemerkung, ist die Fasnacht – vor allem bei der jüngeren Generation – wieder in Mode.

Aus der eigenen Jugend kennt man/frau die Faschingsgilden, die für kurze Zeit „Narrenfreiheit“ ausriefen, als soziales Ventil genutzt, humorig Missstände aufzeigend oder einfach nur dem Ausgelassen-Sein bzw. dem Ausschweifenden frönten. Die Fasnacht neu hingegen besticht durch ihren organisierten und zivilisierten Auftritt. Die „schianen“ (= schönen) Fasnachtler punkten also nicht durch das Exzessive, sondern durch das gemeinsame geordnete Auftreten. Kulturhistorisch durchaus ein neues Phänomen.

Völser Fasnachtler

Um Nachwuchs müssen sich die neu gegründeten Fasnachtsvereine in den Gemeinden nicht sorgen. Bei den Völser Fasnachtlern beispielsweise, die vor 2,5 Jahren neu gegründet wurden, sind neben den 55 Erwachsenen bereits 47 Kinder und Jugendliche mit Begeisterung dabei. Und diese Jugendgruppen stellen letztendlich auch die Zukunft des Vereinswesens dar. Die Jungfasnachtler zeigen sich selbstbewusst und streichen das Miteinander hervor. Für die junge Marktgemeinde Völs, die oft nur als Schlafstätte und Vorstadt von Innsbruck bezeichnet wird, durchaus eine Erneuerung im Sinne einer Gemeinschaftsbildung und -stiftung. Das Engagement des jungen Vereins und seiner Mitglieder ist groß, wie am Wochenende auf der Völser Blaike beim 2. Jungfasnachtlertreffen zu sehen war.

Gemeinsam mit dem Völser Fasnachtlern haben die Brauchtumsgruppen aus Schwaz, Vomp und Ranggen, die Inzinger Klötzler, die Zirler Türggeler und die Flaurlinger Hexen sowie die Faschingsgilde von Oberperfuss für Stimmung gesorgt und den Abend gestaltet. Jede der Gruppen kehrte das eigene Lokalkolorit hervor: Bei der Brauchtumsgruppe Schwaz zum Beispiel sind es die Schellenschlager, die mit den schwarzen Kniebund-Lederhosen und ihren Zipfelmützen an die Bergknappen erinnern, bei den Zirlern fallen die Flitschengewänder der Türggeler auf. Zur Erklärung: Der Türggen ist ein Dialektausdruck für Mais und die Flitschen sind die Blätter des Maiskolbens, die auf den Gewändern aufgenäht werden.

Beim gut organisierten 2. Treffen der Fasnachtler in Völs war der Saal bereits vor Beginn komplett voll. Bis kurz vor Mitternacht riss die Warteschlange von Jugendlichen, die Einlass begehrten, nicht ab. Das zeigt das durchaus große Interesse an die Fasnacht neu. Eine Zusammenschau des Fasnachtstreffens können Sie über den YouTube-Kanal sehen: https://www.youtube.com/watch?v=RzY-YTVxs8I

Tipp:

Die Fasnacht geht heuer noch bis zum 05.03.2019. Ein Höhepunkt ist sicherlich noch das Rumer Mullerlaufen am 24. Februar 2019 in Rum. Wer die Völser Fasnachtler nochmals live erleben will, der  kommt am 02.03.2019 nach Kematen zum Faschingsumzug. Die Jungfasnachtler trete am Rosenmontagsball am 04.03.2019 ab 19:00 Uhr in den Theatersaal Völs.

 

 

 

 

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