Wenn es im Sommer in Innsbruck aufgrund der Hitze brodelt, dann gibt es nichts Schöneres, als sich in die Bergwelt zurückzuziehen. Das ist in Innsbruck nicht schwierig, liegen doch im Süden wie im Norden die Berge hinter der Haustüre von Innsbruck. Die Möglichkeit, schnell und ohne großen Aufwand mit einer der Bergbahnen oder dem Zug – quasi tageweise in Etappen – aufzubrechen, macht Innsbruck zum zentralen Standort für alpine Touren.

2. Tagesetappe: Das Solsteinhaus

Für mich ist es Erholung pur, in die nahegelegene Bergwelt einzutauchen. Fernab von ohrenbetäubenden Events, permanenter Berieselung der Konsumkultur, hinein in die Stille und Abgeschiedenheit des Gebirges. Ohne Handyempfang und Internet, sozusagen offline! – Ein Retreat, das den Kleinen wie den Großen guttut, fokussiert und zufrieden macht. Besonders zu empfehlen ist das familienfreundliche Solsteinhaus auf 1805 m. Es ist ein attraktives Ausflugsziel für Wanderungen, aber auch für anspruchsvolle Bergtouren. Also, ein idealer Ausgangspunkt für die ganze Familie. Ich selbst war mit Freunden und Kindern unter fachmännischer Begleitung letzten Herbst drei Tage dort.

Am Bahnhof Hochzirl trafen wir uns mit Volker Ried, dem Karwendel Guide. Von dort starteten wir auf dem gut ausgewiesenen Weg zum Solsteinhaus. Um den Weg abzukürzen, gibt es auch die Möglichkeit, das Dörfertaxi vom Bahnhof Hochzirl nach Obernbach zu nehmen. Dort wird dann das Gepäck mittels Materialseilbahn hinauf zum Solsteinhaus befördert. Schon beim Aufstieg begegneten wir – zur großen Freude der Kinder – einer grasenden Gämse. Denn schon seit alters her ist das Solsteingebiet bekannt für die große Anzahl von Steinwild. Bereits Kaiser Maximilian I. hat hier oben seiner Weidmannslust gefrönt.

WildReich: Großer und Kleiner Solstein

Wir bezogen für zwei Nächte Quartier im gut ausgestatteten und gemütlichen Solsteinhaus. Und dank der guten Bewirtung tafelten wir wie einst die Kaiser. Gut gestärkt brachen wir morgens auf den Großen Solstein auf, der paradoxerweise 96 m niedriger ist als der Kleine Solstein. Der Aufstieg verlangt kein großes Können, aber Kondition. Nur an manchen Stellen bedarf es Trittsicherheit. Doch Volker leitete die Kinder wie Erwachsenen umsichtig und erklärt auch am Weg die verschiedenen Gipfel ringsum. Wir verließen auch kurz den Hauptweg und überquerten mit Volker feldein ein Latschenfeld. Und dann erspähten wir schon von fern eine Herde Gämsen. Volker wies uns an, leise zu sein und so pirschten wir uns an, um die weiblichen Gämsenherde samt Kindergarten aus nächster Nähe zu sehen. Durch das Spektiv von Volker waren sie zum Greifen nahe. Dem nicht genug: Beim Aufstieg zum Gipfel haben wir noch Murmeltiere und am Grat ruhende Steinböcke entdeckt und mit dem Fernglas beobachtet. Eine Naturerlebnis der Superlative!

Die ausgedehnte Pause am Gipfelkreuz nutzten die Kinder, um Steinmandel zu bauen, sich im Gipfelbuch einzutragen und wir chillten und genossen das umliegende Panorama. Und manch einer nutzte die Gelegenheit, um noch sportlich aktiv den Kleinen Solstein zu erklimmen. Der Kleine Solstein ist die höchste Erhebung der Inntalkette im Karwendel. Der Tag klang mit einem gemütlichen Hüttenabend im Solsteinhaus aus. Am nächsten Tag sind wir über die Kristenalm Richtung Scharnitz abgestiegen. Ein besonderer Abschnitt ist die Gleirschklamm (siehe Blogbeitrag Mai). Müde und erschöpft, aber glücklich, fuhren wir mit dem Zug von Scharnitz nach Innsbruck – mit vielen unvergesslichen Erinnerungen im Gepäck.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Kommentar verfassen